Frauenpolitik

Für die Gleichstellung von Frauen wurde viel erreicht und erkämpft, aber trotz der Erfolge gibt es nach wie vor sehr viel zu tun. Wir brauchen wirkliche Chancengleichheit für Frauen in Beruf und Gesellschaft. Wir brauchen Entgeltgleichheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Viele Frauen haben kein existenzsicherndes, eigenes Einkommen. In Deutschland verdienen sie durchschnittlich immer noch rund 21 Prozent weniger als Männer. Noch immer wählen rund 70 Prozent der Mädchen typische Frauenberufe, die oft schlecht bezahlt werden und kaum Karrieremöglichkeiten bieten.

Frauen leisten mit der Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen und der Hausarbeit nach wie vor den Großteil der unbezahlten Arbeit, während Männer sich eher auf ihre berufliche Karriere konzentrieren. Die traurige Konsequenz ist: Frauen verdienen im Lauf ihres gesamten Erwerbslebens fast 50 Prozent weniger. Das hat auch Folgen mit einer geringeren Absicherung im Alter – nach wie vor gilt: Altersarmut ist weiblich.

Auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sind Frauen in der Politik und den Parlamenten unterrepräsentiert. Sowohl im Bundestag als auch im rheinland-pfälzischen Landtag liegt der Frauenanteil nur bei rund 30 Prozent. Ein noch kläglicheres Bild zeigt sich beim Blick auf die Mandatsverteilung in den kommunalen Räten in rheinland-pfälzischen Kreisen, Städten und Gemeinden.

Mir ist es wichtig, dass wir Strukturen aufbrechen, durch die Frauen in unserer Gesellschaft benachteiligt und herabgewürdigt werden. Die #Metoo-Bewegung hat das erschreckende Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Frauen weltweit sichtbar gemacht. Dadurch ist auch deutlich geworden, dass Sexismus tiefer liegende, strukturelle Ursachen hat: Das nach wie vor bestehende Machtgefälle zwischen Männern und Frauen und gewachsene Abhängigkeiten. Weiterhin ist Gewalt in engen sozialen Beziehungen gegen Frauen und Mädchen weltweit die häufigste Form zwischenmenschlicher Gewalt.

Zahlreiche Politikerinnen, Journalistinnen und andere Frauen des öffentlichen Lebens sind Hasskommentaren und digitaler Gewalt in den sozialen Medien ausgesetzt. Auch in den Parlamenten gehören mittlerweile Angriffe auf Frauenrechte zur Tagesordnung. Schon fast sicher geglaubte Errungenschaften bei der Gleichstellung der Geschlechter werden mittlerweile in drastischer Weise in Frage gestellt. Ein erstarkender Rechtspopulismus bedeutet auch ein Erstarken des Antifeminismus.

Überkommene Rollenbilder sind die Hauptursache für die nach wie vor bestehende Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft. Deshalb ist es so wichtig, dass für dieses Thema zu sensibilisieren und alte Rollenbilder überwinden. Neben dem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel brauchen wir auch klare, verbindliche Leitplanken, um den immer noch nicht eingelösten Gleichstellungsauftrag des Grundgesetzes endlich umzusetzen. Wir brauchen ein wirksames Entgeltgleichheitsgesetz und wir brauchen Quotenregelungen, wo die Gleichstellung der Frauen und die Durchsetzung gleicher Teilhabe mit anderen Instrumenten der Frauenförderung nicht erreicht werden konnten. Der Ausbau der Hilfen für die Betroffenen und die Bekämpfung von Gewalt in engen sozialen Beziehungen bleiben wichtige politische Aufgaben.